{"id":1684,"date":"2011-04-01T17:52:22","date_gmt":"2011-04-01T15:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/neustimme.minderheiten.at\/wordpress\/?p=1684"},"modified":"2020-11-13T23:40:42","modified_gmt":"2020-11-13T22:40:42","slug":"stimme-nr-78-fruehjahr-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/stimme\/2011\/1684","title":{"rendered":"#78\/2011 Warum die T\u00fcrken?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/05\/cover78_netz.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1685\" width=\"323\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/05\/cover78_netz.jpg 431w, https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/05\/cover78_netz-216x300.jpg 216w\" sizes=\"(max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Frage begleitet mich seit den sp\u00e4ten 1980er Jahren, als meine Mitbewohnerin, eine Studentin aus dem katholischen Polen, meinte, ihre Mutter d\u00fcrfe nicht erfahren, dass sie nun in Wien mit einer T\u00fcrkin zusammenwohne. Kurz davor war ich vor Scham err\u00f6tet, als ich in einer Vorlesung \u00fcber antikes Theater h\u00f6ren musste, dass \u201edie barbarischen T\u00fcrken\u201c Griechenlands W\u00e4lder abgeholzt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>20 Jahre sp\u00e4ter, w\u00e4hrend der Vorbereitung dieser Ausgabe, bekam ich von einer Frauenzeitschrift, deren Redaktion au\u00dfer meinen Namen nichts \u00fcber mich wissen konnte, die Anfrage, ich m\u00f6ge meine Geschichte in wenigen S\u00e4tzen zusammenfassen: \u201eAlso, wie Sie sich quasi emanzipiert haben\u201c. Davor hatten sie von mir einen kurzen Text \u00fcber die rechtliche Situation von Migrantinnen in \u00d6sterreich bekommen. Ich konnte also lesen und schreiben. Auf Deutsch. Ein eindeutiges Zeichen der Emanzipation? Ja, wenn man nur ein Bild von &#8222;T\u00fcrkin&#8220; im Kopf zul\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind die \u201efalschen Zuwanderer\u201c, so der Chefredakteur der Tageszeitung <em>Die Presse<\/em> anl\u00e4sslich der Debatte rund um das Interview mit dem t\u00fcrkischen Botschafter Kadri Ecvet Tezcan im November 2010. Doch einen Anlass braucht der negative Diskurs \u00fcber die \u201eT\u00fcrken\u201c nicht unbedingt. Vielmehr bilden diese ein Dauerthema in den \u00f6sterreichischen Debatten rund um die Themen Migration und Europ\u00e4ische Union. <\/p>\n\n\n\n<p>Haben die \u201eT\u00fcrken\u201c \u00fcberhaupt noch eine Chance aus der Rolle der \u2013 gelinde gesagt \u2013&nbsp;unbeliebtesten Bev\u00f6lkerungsgruppe in \u00d6sterreich zu schl\u00fcpfen? Liegt die Hauptursache der Ablehnung in den Jahrhunderte zur\u00fcckliegenden \u201eT\u00fcrkenbelagerungen\u201c und deren Nachwirkungen im kollektiven Ged\u00e4chtnis? Oder wiegt die \u201efalsche\u201c Religion, der die meisten ZuwanderInnen aus der T\u00fcrkei angeh\u00f6ren, schwerer? Oder werden die jungen Erwachsenen mit t\u00fcrkischem Hintergrund gar zu einer Konkurrenz? Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses massive Unbehagen angesichts von rund 360.000 Menschen t\u00fcrkischer Herkunft? Und vor allem: \u201eWarum die T\u00fcrken?\u201c, fragten wir unsere AutorInnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollten die Beitrittsverhandlungen der T\u00fcrkei mit der Europ\u00e4ischen Union ein positives Ende finden, steht uns eine Volksabstimmung bevor, deren Ausgang mehr als vorhersehbar ist. Lesen Sie eine \u201eReportage\u201c \u00fcber diesen Tag, der \u2013 sagen wir mal \u2013 im Jahr 2015 stattfinden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Waren die T\u00fcrken schon immer ein \u201eProblem\u201c f\u00fcr \u00d6sterreich? Das Autorinnenteam Silvia Sallinger, Judith Pfeifer und Johanna Witzeling macht sich auf die Spuren des Feindbildes \u201eT\u00fcrke\u201c und berichtet von der Kraft gespeicherter und nach Bedarf abrufbarer Bilder, w\u00e4hrend Cengiz G\u00fcnay zeigt, wie aus \u201eGastarbeitern\u201c\u201eFremde\u201c und aus beiden schlussendlich \u201eT\u00fcrken\u201c wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hakan G\u00fcrses stellt uns eine Gegenfrage: \u201eWarum nicht?\u201c S\u00e4mtliche negativ wie positiv gemeinten Eigenschaften, die T\u00fcrkInnen zugeschrieben werden, dienen \u2013 so G\u00fcrses \u2013 zur Konstruktion eines Gegenbildes, das f\u00fcr die Legitimierung des Nationalismus unentbehrlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Sabine Strasser schlie\u00dflich wundert sich \u00fcber die zunehmende Zahl der neuen Feministen unter \u00d6sterreichs M\u00e4nnern und analysiert anhand von drei Erlebnissen in \u00d6sterreich und in der T\u00fcrkei \u2013 nein, nicht die \u201eT\u00fcrken\u201c, sondern die ProduzentInnen der T\u00fcrken-Bilder.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist aus dieser von der Redaktion oft ironisch \u201eT\u00fcrkennummer\u201c genannten Stimme-Ausgabe ein Themenheft \u00fcber \u00d6sterreich geworden. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir freuen uns sehr, dass wir den freischaffenden K\u00fcnstler und Grafikdesigner Fatih Aydo\u011fdu f\u00fcr das Bilddesign der Themenstrecke gewinnen konnten. Wenn Sie den Ideenreichtum genie\u00dfen wollen, trauen Sie keinesfalls dem ersten Blick. Aydo\u011fdus Images ranken um die Thementexte und bilden eine weitere inhaltliche Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>STIMME<\/em> feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. In der Jubil\u00e4umsausgabe, die im Juni erscheint, blicken wir auf die \u00f6sterreichische Minderheitenpolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine informative Lekt\u00fcre w\u00fcnscht<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gamze Ongan<\/strong>, Chefredakteurin<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2019\/07\/stimme78_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"STIMME Nr. 78.pdf (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">STIMME Nr. 78.pdf<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1685,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[61,51],"distributor_meta":false,"distributor_terms":false,"distributor_media":false,"distributor_original_site_name":"Zeitschrift Stimme","distributor_original_site_url":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1684"}],"collection":[{"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1684"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1684\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3382,"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1684\/revisions\/3382"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}