Autor: redaktion

Bakondy 110

BEGEHREN NACH SPUREN Meine Großeltern väterlicherseits kenne ich eigentlich nur über Fotos und Geschichten. Großvater Tibor war schon 1977 mit nur 56 Jahren im amerikanischen Toledo (Ohio) an einem Herzinfarkt gestorben. Meine Eltern erwarteten damals gerade ihr erstes Kind, meinen ältesten Bruder. 1984, als ich vier Jahre alt war, starb meine Großmutter Edith in Cleveland (Ohio) – sie wurde 63 Jahre alt. Meine Familie und ich lebten zu diesem Zeitpunkt...

Özkan 110

„Man hatte das Gefühl, ein Fremdkörper zu bleiben“ Die Allgemeinärztin Minoo Rahimi kam zum Studium nach Wien – zu einer Zeit, als im Iran das Schicksal des Landes neu besiegelt wurde. Wenn Minoo Rahimi nicht drinnen sitzt, dann geht sie an den beleuchteten, hoch geschwungenen Fenstern vorbei, bleibt vielleicht kurz stehen, um zu schauen, wer denn aller die Tische bevölkert. Mit dem Hund an der Leine spaziert sie nahezu jeden...

Groll 110

Eugenik und Mehlspeisen Szilvásvárad ist ein kleines nordungarisches Städtchen und liegt keine dreißig Kilometer nördlich der Festungs- und Bischofsstadt Eger an einem Flüsschen. Mit der 50.000 Einwohner zählenden Stadt Eger, die über die zweitgrößte Kathedrale Ungarns, eine der größten Festungsanlagen des Landes und über die Dobó-Schnitten[1] gebietet, die an den legendären Burghauptmann Istvan Dobó erinnern, der im Jahr 1552 Ungarn vor den einstürmenden Muselmanen bewahrte, kann Szilvásvárad nicht mithalten, dennoch...

#110/2019 – Recht versus rechts

Recht versus rechts. Höchstgerichte als Hüter*innen der Minderheitenrechte Die Entwicklung der Rechte marginalisierter Gruppen in Österreich geht in großem Ausmaß auf Höchstgerichtsurteile zurück. Allein die Geschichte der LGBTIQ-Bewegung in den vergangenen 20 Jahren könnte anhand der Urteile des Verfassungsgerichtshofs rekonstruiert werden. Bei gesellschaftlich unbeliebten Themen warten Regierungen so lange mit Reformen, bis Einzelpersonen bei Höchstgerichten Beschwerde einlegen. Die richtungsweisenden Urteile der obersten Gerichte, welche die nicht verfassungs- bzw. menschenrechtskonformen Regelungen aufheben,...

Stimmlage 110

Von zivilen Tugenden Der deutsche Journalist Claus Kleber hielt im Februar die Laudatio für seinen österreichischen Kollegen Armin Wolf, der im Dezember des Vorjahres zum „Journalist des Jahres 2018“ gekürt worden war. Kleber lobt an Wolfs journalistischen Qualitäten vor allem seine Haltung und beklagt zugleich, dass dieser Begriff der am schlimmsten missbrauchte der Branche sei: „In Armin Wolfs berühmten Interviews wird gezeigt, dass Haltung nicht vom Himmel fällt. Sie braucht:...

#109/2018 Happy Birthday Freie Radios!

Happy Birthday Freie Radios! Es sprach sich herum, es war plötzlich möglich: Radio machen! Wie viele andere, ergriff auch ich Anfang der 1990er Jahre die Chance, eine Radiosendung mitzugestalten. Einmal im Monat trafen wir uns zu viert und nahmen eine Audiokassette mit Informationen und Musik für die türkischsprachige Community auf. Nach vollendeter Arbeit übergaben wir diese an einen „Radiopiraten“, der für die Ausstrahlung sorgte. Wir waren zweisprachig und nannten die...

Stimme #108 / Herbst 2018

Jede Stimme zählt! Für ein Wahlrecht für alle Bis ins 20. Jahrhundert durften in Europa nur vermögende Männer wählen. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts, also die Möglichkeit für Männer und Frauen, an politischen Abstimmungen unabhängig von finanziellen Mitteln aktiv und passiv teilzunehmen, nahm ihren Anfang 1906 im Großherzogtum Finnland. In Österreich erhielten die Frauen das allgemeine Wahlrecht mit Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918.

Stimme #107 / Sommer 2018

Gleiche unter Gleichen. 100 Jahre allgemeines Wahlrecht für Frauen – Stimme #107   Mit Ende des Ersten Weltkrieges und Ausrufung der Republik im Jahr 1918 wurde in Österreich auch das allgemeine Wahlrecht für Frauen beschlossen — mıt Ausschluss der Prostituierten bis 1923. Zur Beobachtung des weiblichen Wahlverhaltens waren zunächst bis 1931 für Wählerinnen verschiedenfarbige Kuverts vorgesehen – ein Vorgehen, das von 1954 bis 1996 bei Landtags- bzw. Gemeinderatswahlen in Wien praktiziert...

Stimme #106 / Frühling 2018

Gedenken – 80 Jahre „Anschluss“ und Pogrome.   Im Achter-Jahr 2018 erinnern wir uns an die Ausrufung der Republik Österreich und an die Einführung des Wahlrechts für Frauen (1918), an die Student_innenbewegung (1968) und an die Verhinderung der Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf (1978). Und vor allem erinnern wir uns an den „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland sowie die März- und Novemberpogrome. Wir erinnern, trauern, feiern, forschen, stellen die historischen...

Stimme #105 / Winter 2017

Niemand konnte uns die Jugend nehmen – 25 Jahre Bosnienkrieg Der Zerfall Jugoslawiens hat in den 1990er Jahren Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen. Mit rund 115.000 Geflüchteten aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo war das Nachbarland Österreich – und hier insbesondere Wien – ein sehr wichtiger Fluchtpunkt, auch weil viele Flüchtende hier Angehörige hatten. Mit dem Beginn des serbisch-kroatischen Kriegs im Jahr 1991 kamen nach Angaben des UNHCR etwa 13.000...

STIMME #104 / Herbst 2017

Weitermachen! Minoritäre Bewegungen Bilanz und Perspektiven Weitermachen! Ein Heft über die Erfolge und Niederlagen. Aktivist_innen aus unterschiedlichen minoritären Bewegungen ziehen Bilanz über ihre politische Arbeit. Sie erzählen von ihren langen Kämpfen gegen gesellschaftliche Benachteiligung und Fremdbestimmung sowie ihrem Ringen für gleiche Rechte. Stolz auf die Errungenschaften der Bewegung(en), analysieren sie die Ursachen für die Rückschläge – Perspektiven tun sich auf. Einleitend zum Themenschwerpunkt arbeitet der Philosoph Hakan Gürses die Unterschiede...